Veranstaltungsdatum:
07.05.2010 - 20:30
Veranstaltungsort:
Dritte-Welt-Haus Ffm, Große Seestr.14
Filmbeginn 20.30 h, ab 19.30 h Essen +
Trinken und Gelegenheit zur Information
Der jour fixe El Salvador im Dritte Welt Haus zeigt aus Anlass des 30. Todestags des salvadorianischen Erzbischofs Oscar Romero
Tod eines Erzbischofs Dokumentarfilm von Rena und Thomas Giefer, Convoi Film, 2003; Mitarbeit: Erika Harzer, Konrad Ege, Kalle Staymann Sein Tod kam nicht unerwartet. Er selbst hatte stündlich damit gerechnet. Zu unbequem war der Bischof geworden, als er gegen die Aus¬plünderung El Salvadors durch die Oligarchen der „14 Familien“ und den Terror der Todesschwadronen wetterte. In seiner letzten Pre¬digt in der Kathedrale von San Salvador hatte er die Soldaten zur Befehlsverweigerung aufge¬fordert. Getötet wurde er in aller Öffentlichkeit, während einer Totenmesse am 24. März 1980. Stehend am Altar starb er – ein vergleichbarer Fall lässt sich nur im 13. Jahrhundert finden. Dieser Mord war der Startschuss zu einem der blutigsten Bürgerkriege in Mittelamerika – zwölf Jahre lang, mit 70.000 Toten. In den 60er Jahren organisierten einige Geistliche und Landarbeiter Streiks gegen Ausbeutung und Land-Besetzungen. Die sehr wohlhabenden Oligarchen und die von ihnen eingesetzten Militärs antworteten mit brutaler Repression. Die Aufständischen organisierten sich Anfang der 70er Jahre in Guerilla-Verbänden. Die USA unterstützten die Militärjunta mit „Militärberatern“. Von der Junta aufgebaute Todesschwadronen exekutierten alle Verdächtigen auf offener Straße. In dieser angespannten Situation wurde Romero zum Erzbischof geweiht. Er kam aus einer konservativen Garni¬sonsstadt und sollte die „Agitation der Kirche“ verhindern.
Im März 1977, nach einem Massaker an Demonstranten, die sich in San Salvador auf der „Plaza Libertad“ gegen Wahlbetrug bei den Präsident¬schaftswahlen zu¬sammengefunden hatten, und nach der Ermordung sei¬nes Freundes Rutilio Grande ergriff Romero mutig und konsequent Partei für die Armen und Entrechteten seines Landes. Er boykottierte fortan alle staat¬lichen Empfänge und besuchte stattdessen die Armenviertel. Er for¬derte den damali¬gen US-Präsidenten Jimmy Carter öffentlich auf, die Mili¬tärhilfe für El Sal¬vador zu streichen. Der Bischof war in den Augen der Regierung und der Militärs zu einem Kommunisten geworden. „Das Volk hat ihn heilig gespro¬chen, doch er war ein unbequemer Heiliger“, so be¬schreibt ihn einer seiner Mitarbeiter. Unbequem für den Vatikan, dem das politische Engage¬ment seines Würdenträgers ein Dorn im Auge war. Ein Held schon zu Lebzeiten, durch seinen gewaltsamen Tod aber wurde Ro¬mero zum Mythos. Selbst die Kirche hat mittlerweile ihren Frieden mit dem rebelli¬schen Christen gemacht: In Rom wurde das Verfahren für seine Selig¬spre¬chung eingeleitet. Zwar sind die Namen der Mörder bekannt, doch jeder Versuch, die Täter vor Gericht zu bringen, wurde von ganz oben vereitelt. Auftraggeber des Mordes war Major Roberto D’Aubuisson, der die Tat nie abstritt.
Nach dieser Auseinandersetzung mit der Geschichte wollen wir einen Bogen schlagen zur aktuellen Situation in El Salvador:
Der Film Entre los muertos (Unter den Toten, 2006) von Jorge Dalton, einem Sohn des salvadorianischen Schriftstellers und Revolutionärs Roque Dalton, zeigt dokumentarische Episoden über die Allgegenwart und Alltäg¬lichkeit des Todes in El Salvador: eine Armensiedlung auf einem Friedhof, die Arbeit der Bestattungsunternehmen, Beerdigung Ermordeter, die bei Kämpfen rivalisierender Jugendbanden starben, Interviews mit Psycholo¬gen und Soziologen… Wir möchten einige Ausschnitte aus diesem Doku¬mentar¬film zeigen und zum Gespräch anregen.
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In der Veranstaltung gibt es weitere Informationen zur aktuellen Situa¬tion in El Salvador sowie Gelegenheit zur Diskussion.
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Dritte Welt Haus Frankfurt e.V., Große Seestr. 14, 60486 Ffm.,
Konto-Nr. 19991604, Postbank Ffm., BLZ 50010060
Internet: http://www.drittewelthaus.de E-Mail: vorstand@drittewelthaus.de
Veranstalter_in & Kontakt:
"Jour fixe El Salvador" und Veranstaltungsgruppe