Freitagskino: Schildkröten können fliegen

Veranstaltungsdatum: 
02.11.2007 - 20:30
Veranstaltungsort: 
DWH

Am Freitag, den 02.11.2007 - Filmbeginn 20.30 h, ab 19.30 h Essen + Trinken und Gelegenheit zur Information

Unser Gast ist diesmal Kawe Azizy aus dem iranischen Kurdistan. Er steht nach der Filmvorführung für Fragen und Diskussionen zur Verfügung.

Wir zeigen den Spielfilm des iranisch-kurdischen Regisseurs Bahman Ghobadi („Zeit der trunkenen Pferde“)

Schildkröten können fliegen

Iran/Irak 2004; 98 Minuten; Regie: Bahman Ghobadi; Drehbuch: Bahman Ghobadi; D.: Avaz Latif, Soran Ebrahim, Hiresh Feysal Rahman, Saddam Hossein Feysal, Abdol Rahman Karim, Ajil Zibari

Der Film zeigt den letzten Golfkrieg (2003) aus der Sicht von Kindern. Schildkröten – so nennen die Kinder die tödlichen Minen. Deutlich zeigt der Film, wie nachhaltig das Leben der Kinder gestört ist, wie ihnen ihre Kindheit geraubt wird.

kino021107.jpgAn der türkischen Grenze des Nord-Irak in einem kurdischen Flüchtlingslager kurz vor Beginn des amerikanischen Angriffes auf den Irak: Satellit, ein technisch begabter 13-jähriger Junge, der eine Kindergruppe anführt, hat gute Kontakte zur nächsten Stadt und den Händlern dort. Er stellt in dem Bergdorf neben seinem Lager eine Satellitenschüssel auf. Die Bewohner sind dringend auf Nachrichten angewiesen. Der Dorf-Älteste will über das aktuelle Geschehen im Irak genauestens informiert sein. Auf das Radio vertraut er nicht, sondern er will Bilder sehen, um die Wahrheit über die Vorkommnisse, die sich quasi vor seiner Haustür ereignen, zu erfahren. Nachdem die Schüssel aufgestellt worden ist, verfolgt er mit seinen Vertrauten gespannt das Nachrichtenprogramm auf CNN. Was sie dort zu sehen bekommen, ergibt für sie jedoch wenig Sinn, denn die Welt der Nachrichtenbilder entspricht nicht im Entferntesten der Ihrigen. Sie rechnen täglich damit, dass der Krieg ausbricht.
Eines Tages begegnet Satellit dem Mädchen Agrin mit ihrem zweijährigen blinden Sohn Digah und Hengov, ihrem hellsichtigen, verstümmelten Bruder, die aus Halabja kommen (Halabja in Kurdistan wurde 1988 Ziel eines Giftgasangriffes durch das Regime von Saddam Hussein). Satellit verliebt sich in Agrin. Doch Agrin kann seine Gefühle nicht erwidern, sie ist durch eine mehrfache Vergewaltigung durch irakische Soldaten schwer traumatisiert. Ihr Sohn ist für sie die permanente Erinnerung an dieses unglaubliche Leid. Hinter dem Rücken ihres Bruders, der sich rührend um Digah kümmert, versucht sie immer wieder, Digah Gefahren auszusetzen, denn sie wünscht sich seinen und auch ihren eigenen Tod.