Freitagsfilm: 2 Balkone, KZ Katzbach, Adlerwerke Ffm

Im Stadtteilbüro Bockenheim,
Leipziger Str. 91

am Freitag, den 17.06.2011
Filmbeginn 20.30 h, ab 19.30 h Essen +
Trinken und Gelegenheit zur Information

Diesmal zeigen wir den Dokumentarfilm

2 Balkone
Regisseur: Andrzej Falber; Polen/Deutschland 2004; 55 Min.

Unser Gast ist Friedrich Radenbach von der Claudy-Stiftung, die den Film produziert hat.

Wer weiß heute noch, dass sich in den ehemaligen Adlerwerken im Frankfurter Gallus das KZ „Katzbach“ befand?
Ausgangspunkt des Films sind die Balkone zweier Woh-nungen des Regisseurs in Warschau und in Frankfurt. Unterhalb des ersten Balkons wurden nach dem Warschauer Aufstand im September 1944 Menschen zum Zwangs- arbeitseinsatz in Deutschland zusammengetrieben. Der an- dere Balkon liegt in der Nähe eines Einsatzortes tausender Zwangsarbeiter in Frankfurt/ Main, den ehemaligen Adler- werken. Der Film schildert anhand von Zeitzeugenbe-richten den Warschauer Auf- stand und die Vernichtung durch Arbeit im Konzentrationslager Katzbach.

Weit mehr als 50.000 Zwangsarbeiter/Innen in mehr als 350 privaten, staatlichen, kirchlichen und städtischen Betrieben, auch in privaten Haushalten, wurden von 1939-45 in Frankfurt ausgebeutet. In ganz Deutschland waren es insgesamt ca. 11-13 Millionen Zwangsarbei-ter/innen, die überwiegend aus osteuropäischen Ländern deportiert wurden. Russen und Polen wurden aus rassistischen Gründen besonders menschenunwürdig behandelt.

Der Warschauer Aufstand gegen die deutschen Besatzer kostete fast 200.000 Menschen das Leben. 90.000 Männer, Frauen und Kinder wurden nach der Niederschlagung des Aufstands zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert. 1300 von ihnen landeten im Frankfurter Außenlager Katzbach des KZ Natzweiler in den Vogesen. Hinzu kamen ca. 300 aus Staaten der damaligen Sowjetunion, wenige aus Frankreich, Jugoslawien, Holland etc. Kurz vor der Befreiung wurden sie in Todesmärschen von Frankfurt in die Rhön getrieben und von dort in Reichsbahn-Transporten nach Dachau gebracht. Es überlebten nur 54 Häftlinge.

Die Adlerwerke, das größte Fahrradunternehmen des deutschen Kaiserreichs, avancierten im 1. Weltkrieg zu Frankfurts größtem Rüstungsbetrieb. Schon damals sammelten die Adlerwerke Erfahrungen u.a. mit dem Einsatz von Kriegsgefangenen.
Ab 1942 wurden vor allem russische Kriegsgefangene nach Frankfurt verschleppt. In Griesheim entstand auf städtischem Boden ein neues Massenquartier, wo ca. 2.000 Zwangsarbeiter/innen unter unmenschlichen Bedingungen hausen mussten.
Deshalb fordert die Claudy-Stiftung seit November 1997 eine Doku-mentations- und Bildungsstätte zur Zwangsarbeit in Frankfurt am Main auf dem „Adlerwerke“ – Gelände, dem Einsatzort insgesamt mehrerer tausend Zwangsarbeiter/Innen von 1939-45.

Der nächste Filmabend findet im September statt.

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